Normen-Update Elektrotechnik 2026: Was erwartet uns bei DIN VDE & Netzanschluss?

Neue DIN VDE Normen, überarbeitete Anschlussregeln und aktualisierte Prüfanforderungen: 2026 bringt wichtige Anpassungen in der Elektrotechnik. Erfahren Sie, welche Änderungen bereits beschlossen sind und worauf Sie bei Planung und Installation jetzt achten sollten.

 

 

Die elektrotechnischen Regelwerke entwickeln sich kontinuierlich weiter. Für Elektroinstallateure, Planer und Betreiber elektrischer Anlagen ist es daher entscheidend, aktuelle Änderungen bei DIN VDE Normen und technischen Anschlussregeln im Blick zu behalten. Anpassungen erfolgen meist nicht radikal, sondern in Form gezielter Präzisierungen, die Sicherheit und Netzstabilität weiter verbessern.

 

Im Zeitraum 2025/2026 sind mehrere relevante Normen bereits veröffentlicht worden oder befinden sich offiziell in Überarbeitung. Dieser Beitrag zeigt, welche Änderungen tatsächlich beschlossen oder in Bearbeitung sind – und welche Auswirkungen sie konkret auf die Praxis haben.

 

DIN VDE 0100-701:2025-06 – Überarbeitete Anforderungen für Badezimmer

 

Seit dem 1. Juni 2025 gilt die neue Ausgabe der DIN VDE 0100-701:2025-06. Diese Norm regelt die Errichtung elektrischer Anlagen in Badezimmern und vergleichbaren Bereichen mit erhöhter elektrischer Gefährdung.

 

Die Überarbeitung umfasst unter anderem:

 

  • präzisierte Schutzbereiche (Zonen 0, 1 und 2)
  • klarere Definitionen von Abständen und Installationsbereichen
  • angepasste Anforderungen an Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD)
  • sprachliche und strukturelle Angleichung an internationale Normen

 

Die grundlegende Systematik bleibt bestehen, wurde jedoch fachlich konkretisiert. Für Elektrofachbetriebe bedeutet das: Planungen im Badbereich – insbesondere bei Neubauten oder umfangreichen Sanierungen – sollten konsequent nach der aktuellen Fassung erfolgen, um elektrische Sicherheit im Feuchtraum dauerhaft zu gewährleisten.

 

DIN VDE V 0126-95 – Produktnorm für Steckersolargeräte

 

Mit der DIN VDE V 0126-95:2025-12 wurde erstmals eine spezifische Produktnorm für Steckersolargeräte (Balkonkraftwerke) veröffentlicht. Sie definiert technische und sicherheitsrelevante Anforderungen für steckerfertige Photovoltaik-Geräte.

 

Geregelt werden unter anderem:

 

  • Schutzkonzepte gegen elektrischen Schlag
  • Anforderungen an Abschaltmechanismen
  • technische Ausführung von Anschlussleitungen
  • sicherheitstechnische Prüfanforderungen

 

Wichtig ist: Die Norm selbst legt keine politischen Leistungsgrenzen fest, sondern beschreibt die technischen Rahmenbedingungen für sichere Mini-PV-Systeme. Für Installateure schafft sie mehr Klarheit bei Beratung und sicherheitstechnischer Bewertung von Steckersolargeräten.

 

VDE-AR-N 4100:2026 – Überarbeitung der Anschlussregel in Vorbereitung

 

Die technische Anschlussregel VDE-AR-N 4100 für Niederspannungsanschlüsse befindet sich offiziell in Überarbeitung. Die neue Fassung ist für 2026 angekündigt.

 

Die Anschlussregel regelt unter anderem:

 

  • Anforderungen an Zählerplätze
  • technische Ausführung von Kundenanlagen
  • Netzanschlussbedingungen
  • Integration dezentraler Erzeugungsanlagen

 

Nach aktuellem Stand ist vorgesehen, das Regelwerk weiter an moderne Energiekonzepte wie Photovoltaik, Speicherlösungen und Ladeeinrichtungen anzupassen. Konkrete Detailänderungen werden jedoch erst mit Veröffentlichung der finalen Fassung verbindlich. Für Fachbetriebe ist es sinnvoll, die Entwicklung dieser Anschlussregel frühzeitig zu verfolgen.

 

DIN VDE 0100-600:2025-12 – Anpassungen bei der Erstprüfung

 

Auch im Bereich der Prüfanforderungen gibt es Aktualisierungen. Die DIN VDE 0100-600:2025-12 wurde überarbeitet und regelt weiterhin die Erstprüfung elektrischer Anlagen vor Inbetriebnahme.

 

Die Anpassungen betreffen insbesondere:

 

  • Aktualisierung normativer Verweisungen
  • redaktionelle Präzisierungen
  • Ergänzungen zur Dokumentation
  • Hinweise zur wiederkehrenden Prüfung im Wohngebäudebereich

 

Die grundlegenden Prüfmethoden bleiben unverändert. Für Elektrofachkräfte bedeutet die neue Ausgabe vor allem eine sorgfältige Überprüfung der Dokumentation und Prüfprotokolle.

 

Überprüfung von Normverweisen in Gesetzen bis 2026

 

Parallel zu technischen Anpassungen läuft auf politischer Ebene eine Überprüfung von Normverweisen in Gesetzen und Verordnungen. Ziel ist eine Vereinfachung regulatorischer Strukturen.

 

Für die Praxis gilt weiterhin: DIN VDE Normen stellen anerkannte Regeln der Technik dar und bilden die Grundlage für rechtssichere und normkonforme Elektroinstallationen. Die laufende Überprüfung ändert aktuell nichts an ihrer fachlichen Bedeutung.

 

Warum diese Normenentwicklungen relevant sind

 

Die aktuellen Anpassungen zeigen, dass sich die elektrotechnische Normung konsequent an neue Anforderungen anpasst:

 

  • steigende Integration von Photovoltaikanlagen
  • wachsende Elektromobilität
  • höhere Anforderungen an elektrische Sicherheit
  • zunehmende Systemkomplexität moderner Gebäude

 

Gerade im Bereich Netzanschluss, dezentrale Erzeugung und Schutztechnik entstehen kontinuierlich neue Anforderungen. Fachbetriebe, die normativ auf dem aktuellen Stand arbeiten, erhöhen nicht nur die Sicherheit ihrer Anlagen, sondern minimieren auch Haftungsrisiken.

 

Fazit: 2026 bringt präzisierte Regeln statt grundlegender Umbrüche

 

Die normativen Entwicklungen 2025/2026 zeigen keine radikalen Systemwechsel, sondern gezielte fachliche Präzisierungen. Mit der überarbeiteten DIN VDE 0100-701, der neuen Produktnorm DIN VDE V 0126-95, der angekündigten Aktualisierung der VDE-AR-N 4100 sowie Anpassungen bei der DIN VDE 0100-600 werden zentrale Bereiche der Elektroinstallation weiter modernisiert.

 

Für Elektroinstallateure und Planer bedeutet das vor allem eines: aufmerksam bleiben, Weiterbildungen wahrnehmen und Planungen konsequent nach aktueller Norm ausführen. So bleibt die Elektrotechnik auch 2026 sicher, regelkonform und zukunftsfähig.

 

Ein Dokument über DIN VDE Normen auf einem Schreibtisch.